Warum brauchen wir die Bienen?

Mit Bienen, Ohne Bienen

Warum brauchen wir die Bienen?

Die Bienen sind die wichtigsten Bestäuber unserer Früchte, Gemüse, Blumen und Pflanzen, sowie der Luzerne, die die Tiere in den landwirtschaftlichen Betrieben ernähren. Mehr als ein Drittel der weltweiten Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung von den Bienen angewiesen.
Die Ironie ist aber, dass die Bienen nicht absichtlich ausfliegen, um die Nutzpflanzen zu bestäuben, sondern weil sie sich ernähren müssen. Die Bienen erhalten das benötigte Protein aus dem Blütenstaub, und die notwendigen Kohlenhydrate aus dem Nektar. Um sich zu ernähren, fliegen die Bienen auf Blüten und sammeln Nektar und Pollen. So leisten sie uns diesen wertvollen Dienst – die Bestäubung.

Die Erdbienen sind eine der wenigen Bienenarten auf der Welt, die sich an der Farbe der Blume festhalten und sie schütteln können. Das passiert, indem sie mit ihren Flugmuskeln in einer Frequenz nahe der Musiknote C vibrieren.

Erdbiene

Wie viele Bienenarten gibt es?

Auf der Welt gibt es über 20,000 Bienenarten und sie sind großartig. Die Bienen verbringen den größten Teil ihres Lebens versteckt im Boden oder in einem hohlen Stängel. Nur sehr wenige von diesen Arten haben ein soziales Verhalten wie die Honigbienen entwickelt.
Die Honigbienen sind die charismatischsten Vertreter dieser Art, da sie unsere Aufmerksamkeit wecken. Die Menschen waren von den Bienen noch im Altertum fasziniert, vor allem um ihren Honig zu sammeln, da er ein erstaunliches natürliches Süßungsmittel ist.

Bienenarten

Die Honigbienen können als ein einziger Superorganismus betrachtet werden, wobei eine Bienenkolonie aus 40.000 bis 50.000 einzelnen Bienen besteht. In ihrer Gesellschaft gibt es keine zentrale Autorität - niemand herrscht im Bienenstock. Sie treffen Entscheidungen, verteilen die Aufgaben, kommunizieren miteinander und teilen ihre Arbeit im Kollektiv auf.

Schöne Biene

Das wertvolle Produkt der Bienen – die Propolis.

Das Gesundheitssystem der Bienen ist äußerst interessant, da sie eine soziale Gesundheitsversorgung haben. Das wird klar, wenn man die Hygiene im Bienenstock beobachtet. Beispielsweise können einige Bienen die kranken Individuen erkennen und sie aus dem Bienenstock entfernen. Auf diese Weise halten sie ihre gesamte Gemeinschaft gesund.

Die Bienen fliegen zu bestimmten Pflanzen, kratzen die extrem klebrigen Harze von den Blättern ab und bringen sie zum Bienenstock, wo sie sie in den Boden und in die Wände einbauen. Was daraus kommt, nennt man Propolis. Es wurde festgestellt, dass die Propolis ein natürliches Desinfektionsmittel und Antibiotikum ist. Sie wirkt gegen Bakterien, Schimmelpilze und andere Keime im Bienenstock und fördert so die Gesundheit und Immunität der Bienen. Auch die Menschen, die Propolis-Tinktur einnehmen, können so ihre Immunität stabil halten. Die Menschheit kennt die Kraft der Propolis aus der biblischen Zeit. Die Bienen haben also diese bemerkenswerten natürlichen Schutzmechanismen, die sie seit über 50 Millionen Jahren gesund und wohlhabend halten.

Reines Propolis

 

Warum verschwinden die Bienen?

Die Daten über das Verschwinden der Bienen sind sehr beunruhigend und können bzw. sollen nicht ignoriert werden. Die Bienen sterben aus vielen Gründen, die miteinander interagieren. Vor allem spiegelt das Sterben der Bienen eine farblose Landschaft und eine dysfunktionale Nahrungskette wider.

Mit dem Fortschritt der Landwirtschaft ab dem Jahr 1950 begann der Einsatz von Pestiziden, um Unkraut in den landwirtschaftlichen Betrieben zu vernichten. Viele dieser Unkräuter waren und sind immer noch blühende Pflanzen, die die Bienen brauchen, um zu überleben.
Auch der Anbau von Monokulturen wurde in den 50er Jahren stark gefördert. Heutzutage sprechen wir über „Lebensmittelwüsten“ - Orte in den Städten bzw. in unseren Nachbarschaften, wo es keine Lebensmittelgeschäfte gibt. Die Farmen, die damals die Bienen ernährten, sind heute landwirtschaftliche Lebensmittelwüsten, die von einer oder zwei Pflanzenarten, wie Mais und Gerste, dominiert werden.

Seit dem Jahr 1950 haben die Menschen viele der blühenden Pflanzen entfernt, die die Bienen zum Überleben brauchen. Zu den Monokulturen gehören sogar solche, die gut für Bienen sind, wie zum Beispiel die Mandeln. Vor fünfzig Jahren nahmen die Imker einige Bienenvölker und einige Bienenstöcke in den Mandelgärten zur Bestäubung mit. Heutzutage erfordert das Ausmaß der Mandelmonokulturen, dass die meisten Bienen in einem Land allein zur Bestäubung dieser Kulturpflanze transportiert werden müssen. Nach der Bestäubung werden sie zurückgebracht, denn nach der Blüte werden diese Felder zu einer riesigen farblosen Landschaft. Seit 50 Jahren sterben die Bienen, und wir pflanzen mehr Pflanzen an, die sie brauchen. Der Anbau von Pflanzen, die eine Bienenbestäubung benötigen, ist seitdem um 300% gestiegen.

Aufgrund der großflächigen Aussaat von großflächigen Monokulturen, die eine Schädlingsbekämpfung ermöglichen, wird der Einsatz von Pestiziden zunehmend erforderlich. Kürzlich haben Wissenschaftler begonnen, die Pestizidrückstände in den Pollenladungen zu untersuchen, die Bienen zur Nahrungsaufnahme in den Bienenstock tragen. Sie haben festgestellt, dass jede Pollencharge, die eine Biene sammelt, mindestens sechs bekannte Pestizide enthält, und zwar aus allen Klassen - Insektizide, Herbizide und Fungizide. Sogar eine Kombination aus inerten und unbestimmten Inhaltsstoffen wurde entdeckt, die einen Teil der Pestizidformel sind und giftiger als der Wirkstoff allein sein können.

Insektizide

Wie gefährlich sind die Insektizide für die Bienen?

Eine dieser Klassen von Insektiziden, die Neonicotinoide, ist heutzutage weltweit sehr bekannt. Vielleicht habt ihr auch davon gehört. Dies ist eine neue Klasse von Insektiziden, die die Pflanze durchdringt, sodass wenn das Insekt, das die Blätter frisst, die Pflanze abbeißt, eine tödliche Dosis erhalten und sterben kann.
Wenn ein von den sogenannten Neonikotinoide in hoher Konzentration angewendet wird, z.B. im Boden, gelangt eine ausreichende Menge der Substanz durch die Pflanze in die Pollen und den Nektar. In diesem Fall nimmt eine Biene eine hohe Dosis des krampfartigen Neurotoxins auf und stirbt. Die Einnahme kleinerer Mengen kann der Biene zwar nicht bewirken, aber es kann ihre Neuronen beeinträchtigen, indem sie den Weg nach Hause nicht mehr finden kann.

Unter anderem haben Bienen auch ihre eigenen Krankheiten und Parasiten. Der häufigste Feind für sie ist die Varroamilbe. Sie ist ein blutsaugender Parasit, der das Immunsystem der Bienen stört.


Lasst mich das für euch zusammenfassen:
Ich weiß nicht, wie sich eine Biene mit einem großen, blutsaugenden Parasiten auf sich fühlt und ich weiß nicht, wie es für eine Biene ist, einen Virus zu tragen. Ich weiß aber, wie es sich anfühlt, wenn ich selber einen Grippevirus habe und wie schwer es ist, in den Laden zu gehen, um gutes Essen zu kaufen. Was wäre, wenn ich in einer Lebensmittelwüste leben würde? Wenn ich lange reisen müsste, um zum Laden zu gelangen und endlich dort anzukommen, nur um Pestizide und Neurotoxine mit meinem Essen einzunehmen und meinen Weg nach Hause zu verlieren? Leider geht es aber nicht nur um die Honigbienen. Alle schönen Wildbienenarten sind gefährdet, auch die Erdbienen, die den Honigbienen bei der Bestäubung helfen.

Bienen und Blumen

Was tun wir dann? Wie können wir den Bienen helfen?

Es stellt sich heraus, dass es doch Hoffnung gibt. Jeder von uns kann den Bienen auf zwei sehr direkten und einfachen Arten helfen.
Wir können Blumen pflanzen, die für die Bienen gastfreundlich sind und keine Pestizid-Kontamination erhalten, da sie für die Nahrung der Bienen dienen. Außerdem können wir versuchen herauszufinden, welche Blumen in unserer Gegend natürlich wachsen und diese Arten pflanzen.

Zum Beispiel kann man einen Blumentopf auf der Fensterbank hinstellen, oder im Vorgarten, oder auf den Boulevards. Wir brauchen eine schöne Vielfalt an Blumen, die während der gesamten aktiven Jahreszeit, vom Frühling bis zum Herbst, blühen. Wir brauchen Blumen für die Bienen, aber auch für wandernde Schmetterlinge, Vögel und andere Wildtiere. Lasst uns blühende Bordsteine und Hecken pflanzen, die landwirtschaftliche Wüste beseitigen und mit der Reparatur der dysfunktionalen Nahrungskette beginnen.

Bienen und Blumen

Das könnte wie eine kleine Maßnahme gegen ein großes Problem erscheinen - einfach Blumen pflanzen - aber wenn Bienen Zugang zu guter Nahrung haben, bekommen wir durch ihre Bestäubungsaktivitäten auch gute Nahrung.Sobald die Bienen Zugang zu guter Nahrung haben, können sie ihre eigenen Abwehrkräfte und ein Gesundheitssystem besser integrieren, auf das sie sich seit Millionen von Jahren verlassen.

Für mich ist es wichtig, dass jeder von uns eher als Teil einer Bienengesellschaft denken soll, in der unsere individuellen Handlungen zu einer allgemeinen Lösung des Problems beitragen können. Lasst die kleine Handlung, Blumen zu pflanzen und sie frei von Pestiziden zu schützen, der Motor einer allumfassenden Veränderung sein.

Vielen Dank im Namen der Bienen!